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Erst im Jahr 2001 konnte die große spätromantische Oper „Jeanne D’Arc“ von Walter Braunfels (1882-1954) erstmals aufgeführt werden – beinahe 50 Jahre nach dem Tod ihres Komponisten. Der Live-Mitschnitt dieses triumphalen Ereignisses, den DECCA nun erstmals auf CD zugänglich macht, sollte, wie zuvor schon Braunfels’ Oper „Die Vögel“, die beim selben Label 1996 im Rahmen der Serie „Entartete Musik“ erschienen ist, geeignet sein, Walter Braunfels als einen der bedeutendsten nachromantischen Komponisten zu re-etablieren. Gemeinsam mit Franz Schreker und Richard Strauss gehörte Braunfels in den 1920er Jahren zu den meistgespielten deutschen Komponisten. 1923 wurde er von Adolf Hitler aufgefordert, der nationalsozialistischen Bewegung eine Hymne zu komponieren – ein Anliegen, das der Komponist mit Empörung von sich wies. Die Folgen ließen nach der Machtübernahme der Nazis nicht lange auf sich warten: Bereits 1933 wurde Braunfels als Halbjude diffamiert, seines Amtes als Gründungsdirektor der Kölner Musikhochschule enthoben und mit einem völligen Aufführungsverbot belegt. Mitten im Zweiten Weltkrieg – zwischen 1939 und 1943 – komponierte Braunfels auf der Basis der Akten des gegen Jeanne D’Arc geführten Ketzerprozesses seine letzte und nach inneren wie äußeren Dimensionen größte Oper – heimlich und am Bodensee in der inneren Emigration lebend. Nach Kriegsende wurde Walter Braunfels zwar von Konrad Adenauer wieder ins Amt des Direktors der Kölner Musikhochschule berufen, um sein Werk ist es dennoch still geblieben. Seine größte Komposition hat Walter Braunfels niemals gehört. Die Stockholmer Uraufführung der „Jeanne D’Arc“, mit der grandiosen Juliane Banse in der Titelrolle, dokumentiert das beeindruckende Vermächtnis eines des Stiles nach spätromantischen Vollblutkomponisten, der die Grenzen der Tonalität zwar auslotet, aber niemals überschreitet. Walter Braunfels’ Musik – das ist Askese und Ekstase, romantische Süffigkeit und auch mal musikalische Ironie, aber stets Ausdruck der totalen Hingabe an sein Sujet und dessen humanistische Grundaussage. In seiner „Jeanne D’Arc“ haben wir eine der aufregendsten und auch bedeutendsten Opern-Wiederentdeckungen der vergangenen Jahrzehnte vor uns.